Hilfe, mein Klient hat sich in mich verliebt

Nicht nur im Therapiekontext kommt es vor, dass sich Klient*innen in die Therapeut*innen verlieben, sondern auch im Coaching. Obwohl das “sich verlieben” etwas ganz natürliches ist, stellt es im Coaching-Kontext jedoch eine Herausforderung dar.

Doch woran merke ich überhaupt, dass sich mein*e Klient*in in mich verliebt haben könnte?

  1. Am leichtesten erkennst du es natürlich daran, dass dein*e Klient*in seine*ihre Gefühle offenbart und es dir sagt.

In diesem Fall heißt es ruhig bleiben, durchatmen und sich zunächst für die Offenheit bedanken. Es besteht kein Grund dazu, in Panik zu verfallen und das Coaching auf der Stelle abzubrechen.

  1. Du nimmst eine Veränderung wahr, etwa in der Art und Weise
  • wie dein*e Klient*in mit dir spricht und sich äußert oder
  • wie sich dein*e Klient*in kleidet und zurecht macht.

Hier solltest du zunächst nur beobachten und es dann in einem geeigneten Moment ansprechen.

Fällt dir auf, das sie oder er immer wieder besonders “schick” ist, könntest du beispielsweise sagen „Mir ist aufgefallen, dass Sie in den letzten Sitzungen bei mir besonders gut gekleidet waren und sich die Haare zurecht gemacht haben. Ich frage mich, welchen Grund es dafür wohl gibt.“

Jetzt kann natürlich eine Antwort wie „Ich bin danach noch ins Büro und hatte wichtige Meetings.“ oder so kommen. Dann weißt du, dass es wohl nichts mit dir zu tun hat.

Kommt jetzt jedoch die Antwort, dass sich dein*e Klient*in wegen dir so schick gemacht hat, um dich möglicherweise zu beeindrucken, solltest du auch hier zunächst ruhig bleiben, durchatmen und dich für die Offenheit bedanken.

3. Es kann jedoch auch sein, dass

  • er oder sie dir wiederholt eine kleine Aufmerksamkeit mitbringt oder
  • dir dein*e Klient*in das “DU” anbietet.

Hier ist es hilfreich klare Grenzen zu ziehen und zu sagen, dass du dich dafür bedankst, es jedoch nicht (mehr) möchtest.

Jetzt stellst du dir sicherlich die Frage:

„Was mache ich, wenn ich weiß, dass mein*e Klient*in in mich verliebt ist?”

Bevor ich diese Frage beantworte, möchte ich gern einige Gründe mit dir teilen, die meist dazu beitragen, dass sich Klient*innen in ihren Coach verlieben.

  • Klient*innen teilen mit ihrem Coach oft Dinge, die nicht einmal die Partner*innen zu Hause über sie wissen – das schafft ein sehr vertrautes Verhältnis.
  • Klient*innen machen in den Sitzungen positive Erfahrungen: es wird ihnen zugehört, man ist mit der kompletten Aufmerksamkeit bei ihnen, man versteht sie. Das tut ihnen natürlich sehr gut und davon wollen sie oft mehr.

Im Kontext von Therapie spricht man davon, dass es „normal“ sei, dass durch die Vertrautheit, Patient*innen romantische Gefühle für ihre Therapeut*innen entwickeln. Schließlich versuchen sie ja auch eine enge Beziehung zu ihren Patient*innen aufzubauen, um sie optimal unterstützen zu können. Man könnte also sagen, dass das Verlieben zum Berufsrisiko gehört.

Da wir als Coaches im Coaching auch den Fokus auf den Beziehungsaufbau legen, kann uns das Gleiche passieren. Es heißt also nicht, dass, wenn sich dein*e Klient*in in dich verliebt, du etwas falsch gemacht hast!
Wir können uns nicht davor schützen. Sollten uns jedoch immer über unsere Wirkung im Klaren sein, damit wir nicht Signale senden, die von unseren Klient*innen ganz anders gedeutet werden.

Kommen wir nun zurück zur Frage:

Wie gehe ich denn jetzt damit um, wenn ich weiß, mein*e Klient*in ist in mich verliebt?

  1. Du hast selbstverständlich die Möglichkeit das Coaching an dieser Stelle zu beenden und zu sagen, dass du unter diesen Voraussetzungen das Coaching nicht weiterführen kannst und an Kolleg*innen abgibst.
  2. Du kannst Verständis für die Situation zeigen, es transparent machen und erstmal laufen lassen. Schau, wie es sich entwickelt, nachdem es bekannt ist. Eine mögliche Formulierung wäre z.B.:
    „Es ist normal, dass sich im Coaching immer mal wieder Klient*innen in ihren Coach verlieben. Meistens hat es damit zu tun, dass sich Klient*innen so gut verstanden und aufgehoben fühlen. Das ist ein Zeichen dafür, dass Sie mir vertrauen. Das ist eine gute Voraussetzung und hilfreich für unsere Zusammenarbeit.“
  3. Du thematisierst es: „Was glauben Sie, wie wirken sich Ihre Gefühle zu mir in Bezug auf unsere Zusammenarbeit aus? Welchen Einfluss, vermuten Sie, hat das auf unser Coaching?”
    Vielleicht kommt hier ein: „Ich kann das gut ausblenden” – dann kannst du das beobachten.
    Kommt ein: „Es fällt mir schwer, mich auf das Coaching zu konzentrieren”, kannst du fragen, wie ihr jetzt damit umgehen wollt.

Wenn du nicht gleich weißt, welche Reaktion die Passende ist, dann nimm dir etwas Zeit und denk in Ruhe bis zur nächsten Sitzung darüber nach. Es ist völlig ok als Coach sich die Zeit zu nehmen und nachzudenken.

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Andrea Schlösser Coaching leicht gemacht

Andrea Schlösser – Coaching leicht gemacht

4 Gedanken zu „Hilfe, mein Klient hat sich in mich verliebt“

  1. Die Überschrift fängt mit “Hilfe….” an. Grundsätzlich ist es etwas schönes und eine Hilfe braucht es im normalen Fall auch nicht. Sollte man das Geschenk nicht wollen, dann ist ein ehrliches Gespräch zu bevorzugen.

    1. Andrea Schlösser

      Lieber Murat,
      prinzipiell bin ich da ganz bei dir, doch sitzen wir ja im Coaching in der ROLLE als Coach vor unseren Klient*innen. Und ich kann mich noch gut an eine Coachin in der Supervision erinnern, die damit ziemlich überfordert war und wirklich Hilfe im Umgang damit brauchte. Solche Themen sind meist nicht Gegenstand einer Coachingausbildung und kommen somit ziemlich unerwartet für einige.

  2. Ein schöner Anlass, hier zu kommentieren. Andrea, danke für die aufschließenden Zeilen und Gedanken! Erfahrungsgemäß wirkt Augenhöhe und authentische, gemeinsame Beziehungsgestaltung gut. Wahrhaftigkeit in solch’einer Nähe kann eine Chance des “Berufsriskios” sein. Gefühle sind eine enorme Ressource, die mir in so eine Situation in Klarheit halfen das Coaching zu gestalten. Sicher sind es einzigartige Momente.

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