Woran du toxische Beziehungen im Coaching erkennst

Manchmal haben wir Klient*innen vor uns im Coaching sitzen, die sich in Beziehungen befinden, die ihnen alles andere als gut tun. Wir fragen und dann meist, wieso sie sich nicht einfach trennen und dem ein Ende machen. In unseren Augen ein logisches, nötiges Vorgehen und nahezu “ein Leichtes”, doch längst nicht für unsere Klient*innen…

Annika Felber hat sich genau auf diese ungesunden Beziehungsstrukturen spezialisiert. Sie ist Pädagogin, Beraterin, Systemischer Coach und Buchautorin zum Thema Toxische Beziehungen.

In meinem Interview spreche ich mit ihr über:

  • Was sind toxische Beziehungen?
  • Welche Formen der toxischen Beziehung gibt es?
  • Woran erkennen wir toxische Beziehungen?
  • Was brauchen Klienten, die in toxischen Beziehungen leben?
  • Wie können wir als Coaches im Coaching unterstützen?
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Wer bist du?

Mein Name ist Annika Felber. Ich bin 38 Jahre alt, Pädagogin, Beraterin, Coach Systemikerin aus Leidenschaft und Buchautorin zum Thema Toxische Beziehungen.

Seit ich denken kann, habe ich davon geträumt, mich im Coachingsektor selbstständig zu machen. Diesen Traum habe ich mir – zugegebenermaßen über den ein oder anderen Umweg 😉 – in meiner Heimat direkt am Meer im schönen Städtchen Kiel erfüllt.

Wie bist du auf das Thema toxische Beziehungen aufmerksam geworden?

Da der Mensch ein soziales Wesen ist, zeichnet sich unser aller Leben vor allem dadurch aus, dass wir in vielen unterschiedlichen und überaus komplexen Beziehungsgefügen leben. Und wenn wir in eine – wie auch immer geartete – Krise geraten, tun wir dies fast immer, weil es in (mindestens) einer unserer Beziehungen Schwierigkeiten gibt.

Als Coach sind daher die kleinen und großen Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen mein täglich’ Brot. Dabei bin ich immer wieder Kund*innen begegnet, denen es trotz eines immensen Leidensdrucks und trotz messerscharfer Reflexionen der eigenen Situation nicht gelungen ist, Veränderungen in ihren Beziehungen herbeizurufen. Am Ende haben Ohnmacht und Abhängigkeit immer wieder gesiegt.

Diesen Umstand habe ich zum Anlass genommen, mich ausgiebig mit dem Thema toxische Beziehungen auseinanderzusetzen. Ich wollte wissen, wie Menschen in lähmende Beziehungsdynamiken geraten und vor allem: wie sie aus dieser Lähmung zurück in die eigene Handlungsfähigkeit kommen können, um glückliche und selbstbestimmte Beziehungen führen zu können.

Was sind toxische Beziehungen? Woran können wir diese als Coaches im Coaching erkennen?

Den meisten Menschen ist – spätestens seit Trump – der Begriff des Narzissten geläufig. Wenn man einen Blick in die aktuelle Literatur wirft, sieht man, dass der Begriff der toxischen Beziehung hier seinen Ursprung findet. Jedoch können selbstverständlich nicht nur Beziehungen zu einem*r Narzisst*in giftig für einen Menschen sein.

Ich verstehe unter toxischen Beziehungen vielmehr all jene Beziehungen (also auch Freundschaften, Eltern-Kind-Beziehungen, Beziehungen zu Kolleg*innen etc.), die einem oder beiden Beteiligten langfristig mehr schaden als nützen.

Selbstbestimmtes Handeln wird in toxischen Beziehungen immer mehr zum Problem. „Betroffene“ fühlen sich fremdgesteuert, ohnmächtig und haben häufig keinen Zugang zu ihren eigenen Bedürfnissen bzw. sie trauen sich nicht, diese einzufordern.

Kennzeichnend für vergiftete Beziehungen ist vor allem, dass ein Aussteigen bzw. eine Veränderung der Beziehung trotz eines hohen Leidensdrucks nicht möglich ist. Psychische und physische Probleme wie Depressionen, Angst, Ess- und Schlafstörungen o.Ä. sind als Folge dessen keine Seltenheit.

Wie können wir da bestmöglich unterstützen?

Für Menschen, die sich in toxischen Beziehungsstrukturen befinden – ganz gleich ob es sich um Beziehungen zu Partner*innen, Freund*innen, Kolleg*innen oder Eltern handelt – ist zunächst besonders wichtig, dass wir als Coach für Aufklärung sorgen und ihnen jeglichen Druck von den Schultern nehmen.

Häufig wurden „Betroffene“ bereits mit Kommentaren wie „Warum änderst du nicht einfach etwas? Warum brichst du nicht einfach den Kontakt ab?“ überschüttet.

Mir ist es daher ganz wichtig, Kund*innen deutlich zu machen, dass es einen Grund hat, warum sie handeln, wie sie handeln. Und dieser Grund ist mitnichten Unfähigkeit oder gar Dummheit, sondern ein Beziehungsmuster, das es aufzuarbeiten gilt (und das zumeist bereits in der Herkunftsfamilie seinen Ursprung fand).

Wie kann ein Coach konkret Vorgehen?

  1. Zum einen ist es hilfreich, an den Themen Selbstwert und Selbstliebe zu arbeiten. Beides ist bei Menschen, die sich in toxischen Beziehungen befinden oder befanden, meist im Keller. Erst wenn der eigene Wert wieder im Fokus steht, kann gemeinsam geschaut werden, was es braucht, um sich aus der empfundenen Ohnmacht zu lösen.
  2. Zum anderen kann ein Blick zurück in die Geschichte, wie z.B. ehemalige Beziehungen oder Strukturen und Verstrickungen in der Herkunftsfamilie, förderlich sein. Nicht selten liegt hier der Schlüssel für eine Veränderung der aktuellen Beziehungen.

Wie auch immer wir als Coaches en détail vorgehen:

Es sollte m.E. niemals darum gehen, Menschen dazu zu drängen, toxische Beziehungen zu verändern oder zu verlassen. Das wäre nur ein Mehr der Ohnmacht und Fremdbestimmtheit.

Wichtig ist vielmehr, dass der*die Coachee das Gefühl hat, in der Lage zu sein, sich autonom und freiwillig für oder gegen die bestehende Beziehung und ihre Erscheinungsform zu entscheiden. Ganz egal, was der Coach, die beste Freundin oder sonst wer denken.


Links

Annika Felbers Website: http://www.systemischeberatung-kiel.de

Annika Felbers Blog: https://systemischeberatung-kiel.de/blog/

Facebook: https://www.facebook.com/Coach.Kiel.Felber

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Andrea Schlösser Coaching leicht gemacht

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2 Gedanken zu „Woran du toxische Beziehungen im Coaching erkennst“

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